Wein aus Italien – Was IGT, DOC, DOCG bedeuten!

Im GrapeCheck.de Weinwissen erhalten sie die wichtigsten Informationen zum italienischen Qualitätssystem für Wein. Lernen Sie die unterschiedlichen Qualitätsstufen kennen und erfahren Sie was sich hinter Begriffen wie IGT, IGP, DOC, DOCG und DOP verbirgt.

Bei vielen Weintrinkern ruft der Blick auf das Weinetikett ein fragendes Stirnrunzeln hervor. Die Etiketten der Weinflaschen sind zum Teil mit mehr Informationen versehen als dem Käufer geläufig sind.

Den Großteil der Angaben zu Rebsorte und Anbauregion kennen auch Weinneulinge. Doch Spätestens bei den Abkürzungen IGT, DOP, IGP, DOCG und DOC steht mancher Weinfreund sprichwörtlich auf dem (Wein-)Schlauch.

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Qualitätsstufen: Nützliche Entscheidungshilfe bei der Weinauswahl

Den richtigen Wein zu kaufen klingt leichter als es ist. Die Auswahl in den Regalen der Händler nimmt stetig zu und das Angebot im Internet ist schier unendlich. An dieser Stelle können Qualitätsstufen Licht ins Dunkel bringen. Sie ermöglichen es dem Käufer die Auswahl an passenden Weinen einzugrenzen.

Ob günstiges Massenprodukt oder edler Tropfen aus aufwendiger Handarbeit. Für jeden Anlass und jedes Budget gibt es die passende Angebotspalette. Qualitätsstufen geben einen Vorgeschmack über dass, was sie später im Glas erwarten dürfen. Sie geben Auskunft über Qualität, den Aufwand bei der Produktion und Preis- Leistungsverhältnis.


 

Vino – Italiens „alte“ Tafelweine

Bis zur EU- Weinrechtsänderung im Jahr 2009 wurden Weine der untersten Qualitätsstufe noch als VDT-Weine Bezeichnet. Die Abkürzung VDT stand für „Vino di Tavola“ (Tafelweine) und ähnelte der Deutschen Bezeichnung Tafelwein. In Frankreich waren die Weine als “Vin de table” bekannt.

Seit 2009 ist die Bezeichnung Tafelwein europaweit nicht mehr zulässig und wurde durch Wein ersetzt. Da die Bezeichnung Wein zu vage ist, haben sich neue Zusätze etabliert. In Italien wird dieser Wein als Vini Comuni bezeichnet. In Deutschlang ist die Bezeichnung Deutscher Wein ohne Herkunftsbezeichnung gebräuchlich.

Für die Herstellung einfacher Weine gelten nur gesetzliche Mindeststandards. So dürfen z.B. Verschnitte aus verschiedenen Regionen, Rebsorten oder gar Jahrgängen erzeugt werden.

Dies bewirkte, dass Winzer in der Vergangenheit auf den Etiketten weder mit der Angabe der Rebsorte, der Region und dem Jahrgang werben durften. Diese Angaben waren selbst dann nicht zulässig, wenn die Angaben korrekt eingehalten wurden. Die einzig erlaubten Angaben waren „Vino die Tavola“  und die Bezeichnungen der Farbe. (Rosso für Rotwein, Bianco für Weißwein).

Nach der neuen EU-Regelung ist es Winzer nun gestattet sowohl die Rebsorte als auch den Jahrgang auf dem Etikett anzugeben und zu bewerben.

Die Vini Comuni sind schlichte Weine von einfacher Qualität, die i.d.R. nicht ins Ausland exportiert werden. (Ihr Ruf gilt als schlecht). Sollten sie in Ihrem nächsten Italienurlaub ein Restaurant oder eine Trattoria aufsuchen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Ihnen zum Essen ein Vini Comuni als Hauswein gereicht wird.  Dieser Wein ist bei den Italienern beliebt und sein Marktanteil beträgt stolze 40%.

 


 

IGT – Italiens Landweine

Weine der Klassifizierung IGT bilden die nächsthöhere Stufe im Italienischen Weinsystem. Die Bezeichnung IGT steht hier für Indicazione Geografica Tipica und umfasst Weine mit einer typischen, geographisch bedingten Charakteristik und aus einem klar definierten Herkunftsort.

In Deutschland und Österreich wäre diese Klassifizierung gleichzusetzen mit dem Landwein. In Frankreich spricht man von einem Vin de Pays.

IGT Weine können die Charakteristik einer bestimmten Region aufweisen wie z.b, „IGT – Rosso de Toscana“ oder weisen auf die Verwendung einer Rebsorte aus einer bestimmten Region hin. Allerdings kann es sich hier bei der den Regionen um sehr große Gebiete handeln wie z.B. die Toskana.

Innerhalb der IGT-Klassifizierung lässt sich ein breites Spektrum an Weinen finden –  Von belanglosen Tropfen bis hin zur qualitativen Spitze Italiens mit vielen Auszeichnungen ist hier alles vertreten.

Die Gründe hierfür können vielschichtig sein. Zum einen scheuen viele Winzer die organisatorischen Hürden einer DOC-Klassifizierung obwohl ihre Weine diese qualitativ mit Leichtigkeit erfüllen würde.

Zum anderen erzeugen einiger Produzenten Weine aus verschiedenen Sorten welche nach den DOC-Regularien nicht gestattet sind, die aber qualitativ trotzdem in der Ersten Wein-Liga mitspielen.

In diesem Zusammenhang sind besonders die Supertoskaner zu nennen. Bei den Supertoskanern handelt es sich um Weine, welche keinen höheren DOC / DOCG Status besitzen, aber den Anspruch erheben, das Niveau der italienischen Spitzenweine zu erreichen.

In den 1970er Jahren schrieb das Italienische Weingesetzt  die Zumischung unterschiedlicher Weinsorten vor. Für einige Weinproduzenten – unter ihnen Marchese Antinori – war dies eine nicht hinzunehmende Vorgabe, welcher sie sich wiedersetzten, da sie die Verschlechterung ihrer Weine befürchteten.

Im Nachhinein muss man ihnen zugestehen, dass ihnen der Erfolg Recht gibt. So zählt z.B. der Solaia von Antinori zu den ganz großen Weinen Italiens und erntet jährlich die Top-Bewertungen der besten Weinkritiker weltweit. Mit Preisen von über 200 Euro spielt er, trotz IGT-Klassifizierung, nicht nur preislich in einer ganz eigenen Liga.

Der Marktanteil Italienischer Weiner der IGT-Klassifizierung beträgt 30%

 


 

IGP – Neue Bezeichnung für Landweine

Im Zuge der Weinmarktordnung von 2009 wurden die Weinbezeichnungen vereinheitlicht und analog zum Lebensmittelrecht übernommen. Somit gilt in Italien für Weine mit geschützter Herkunftsangabe, laut EU-Recht, die Bezeichnung Indicazione Geografica Protetta (IGP) anstelle der vorherigen Bezeichnung IGT.  Allerdings erlaubt Italien weiterhin die Benutzung der alten nationalen Angabe IGT, was es dem Verbraucher weiterhin schwerer machen wird hier den Durchblick zu behalten.


 

DOC – Italiens Qualitätsweine

Die Bezeichnung DOC steht für Denominazione di Origine Controllata und bildet nach der IGT, die zweithöchste amtliche Qualitätsstufe des italienischen Weinbaus. DOC ist vergleichbar mit der in Deutschland gebräuchlichen Klassifizierung Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete (QbA) oder der französischen Appellation d’Origine Contrôlée (AOC).

Weine dieser Qualitätsstufe müssen zwingend aus einem Anbaugebiet stammen, welches als DOC klassifiziert ist. Im Vergleich zu Weinen der der IGT-Klassifiezierung, sind die Anforderungen an die Winzer was den An- und Ausbau der Wein betrifft, wesentlich höher.Jedes dieser DOC-Gebiete hat sein eigenes, strenges Regelwerk, welches zugelassene Rebsorten, Mischungsverhältnisse, Ertragsmengen, Kellertechniken oder sogar die die Arbeit in den Weinbergen regelt. 

Mittlerweile gibt es in Italien über 330 DOC-Gebiete – So ist es möglich, dass einige Regionen ausschließlich einen Wein produzieren und andere eine Vielzahl an Weinen in verschiedenen Farben, Rebsorten oder Arten anbieten.

Der Marktanteil Italienischer Weiner der DOC-Klassifizierung beträgt 25%

Seit dem Jahr 2009 erkennt man DOC-Weine an einer amtlichen Banderole am Flaschenhals. Diese Banderole war in der Vergangenheit ausschließlich Weinen der höheren DOCG-Klassifizierung vorbehalten. Um die Klassifizierungen in Zukunft leichter erkennen zu können tragen die DOC-Banderolen ein blaues Band, die DOCG-Banderolen hingegen ein goldenes.

 

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DOCG – Italiens Spitzenweine

Die Bezeichnung DOCG steht für Denominazione di Origine Controllata e Garantita und bildet die höchste amtliche Qualitätsstufe des italienischen Weinbaus. In Deutschland und Österreich würde diese Qualitätsstufe am ehesten dem Prädikatswein als höchste Qualitätsstufe entsprechen.

Ähnlich wie bei Weinen der DOC-Klassifizierung, wird auch hier die Herkunft der Weine staatlich kontrolliert (Origine Controllata = kontrollierte Herkunftsbezeichnung). Zusätzlich zu der Kontrollierten Herkunft, geht der Italienische Staat hier noch einen Schritt weiter und gibt sogar eine Garantie über:

  • die Echtheit des abgefüllten Produkts
  • den Ursprung der verwendeten Traubensorten und Ihren Anteil
  • eine besondere und einwandfreie Qualität

Daher wurde der Bezeichnung DOC ein G angehängt (Garantita), welches die Staatliche Garantie des Weins deutlich zum Ausdruck bringen soll.

Um an das begehrte DOCG-Prädikat zu kommen, muss ein  DOC-Wein seine Qualitätsansprüche weitere fünf Jahre aufrechterhalten und unterliegt, neben den für die DOC-Klassifizierung nötigen Richtlinien, weiterer strenger Auflagen.

So werden im Rahmen der DOCG-Prämierung u.a.  Flaschenform, Mindestwerte für Alkoholgehalt, Säure und Gesamtextrakt (Trockenextrakt), Mindestreifezeiten in Fässern und Flasche sowie Farbe und Aroma vorgeschrieben.

Um diese Vorgaben zu gewährleisten, muss der Wein (bevor er vermarktet werden darf) noch ein zwei-phasen System aus Laboruntersuchung (analytische Prüfung) und Verkostung der Weinkommission (sensorische Prüfung) durchlaufen und bestehen.

Da die Auflagen der DOCG Weine besonders streng sind, ist es nicht besonders verwunderlich, dass das DOCG-Prädikat nur von ca. 70 italienischen Weinen getragen wird. So stehen diese Flaggschiffe lediglich für 5% der Weinproduktion – Was allerdings das Renommee des Italienischen Weins angeht, so entfallen wahrscheinlich 100% auf DOCG-Weine.

Wie die DOC-Weine, so tragen auch die DOCG-Weine eine Banderole mit Prüfziffer am Flaschenhals, um sie als solche eindeutig zu identifizieren. Bis vor wenigen Jahren, war diese Banderole am Flaschenhals einzig den DOCG-Weinen vorbehalten. Im Zuge der Weinreform, erhielten vor wenigen Jahren auch DOC-Weine  diese Banderole. Um die Unterscheidung zukünftig zu erleichtern, werden die DOCG-Banderolen mit einem goldenen Band und die DOC-Banderolen mit einem blauen Band versehen.

Die bekanntesten Weine der DOCG-Klassifizierung sind:

Barolo, Brunello di Montalcino, Chinati,  Vino Nobile di Montepulciano, Vernaccia di San Gimignano

 


 

DOP – Neue Bezeichnung für Weine höherer Güteklassen

Die Bezeichnung DOP steht für Denominazione di Origine Protetta und wurde im Rahmen der neuen EU-Regelung im Jahr 2009 eingeführt. Sie ist seither die für alle EU-Länder gültige Bezeichnung für Qualitätswein.

 Offiziell hat DOP die Bezeichnungen DOC und DOCG abgelöst, allerdings gilt hier, ebenso wie bei der Änderung von IGT zu IGP, Bestandsschutz für die alten Bezeichnungen.  In der Praxis hat sich die neue Bezeichnung noch nicht durchgesetzt – Da die Italiener beim Thema Wein eher traditionell veranlagt sind, bleibt zu erwarten, dass weiterhin die alten Bezeichnungen verwendet werden um Qualitätsunterschiede zu verdeutlichen. Besonders für Weine der DOCG-Klassifizierung ist es eher unwahrscheinlich, dass diese irgendwann als DOP-Weine vermarktet werden.  


 

GrapeCheck.de – Fazit

In Italien gibt es vier verschiedene Qualitätsstufen für Wein.

  • Die unterste Ebene des Systems ist Vino und bezeichnet einfache (Tafel-)
  • Ihr folgen Weine der Kategorie IGT, die landestypische Merkmale enthalten.
  • Die Dritthöchste Stufe ist DOC und steht für Qualitätsweine aus kontrollierte Herkunft.
  • Die Spitze des italienischen Qualitätssystems bilden Weine der Kategorie DOCG. Diese Weine werden nach besonders strengen Regeln produziert und erheben den Ansprung von so guter Qualität zu sein, dass der Staat dafür garantiert.

Zusammenfassend kann man sagen, dass:

Je höher man sich in den Qualitätsstufen bewegt, desto höher die Wahrscheinlichkeit einen überragenden Wein zu finden.

Allerdings hat jede Regel ihre Ausnahme: Machen sie keinesfalls den Fehler und unterschätzen sie Weine der unteren Qualitätsstufen (z.B. IGT). Oft lassen sich hier qualitativ gute Weine zu günstigen Preisen finden. Auch der ein oder andere Geheimtipp mit ausgezeichnetem Preis- Leistungsverhältnis lässt sich hier entdecken.

Besonders einige IGT-Weine sind hier zu erwähnen, die dank ihrer guten Qualität höher eingestuft werden könnten. Stattdessen entscheiden sich Winzer bewusst dafür, ihre Weine in unteren Kategorien einzuordnen.  Oft sind Ihnen die Vorschriften und Einschränkungen zu streng oder sie scheuen schlicht den Aufwand für eine höhere Einstufung.

Man sollte sich aber bewusst machen, dass mit den Qualitätsstufen, die Vorgaben und der Aufwand für den Winzer steigen. Die Erfüllung der Kriterien kostet den Winzer Geduld und Geld, welches sich in jedem Fall im Preis des Weines wiederspiegelt.

Auf der anderen Seite ist auch nicht alles Gold was glänzt. Auch wenn ein DOCG-Wein auf dem Papier alle Voraussetzungen erfüllt um dieses Prädikat tragen zu dürfen, erlangen sie keine Sicherheit, dass Ihnen der Wein auch den entsprechenden Genuss bereitet.

 

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