Deutschland – Weinland geprägt von Vielfalt

Deutschland und Wein – das ist seit gut 20 Jahren wieder eine Erfolgsstory. Zuvor hatte sich das geschmackliche Niveau der „guten Tröpfchen“ eher in den Bereichen „langweilig, fade und süß“ festgefahren. Diese Zeiten aber sind vorbei, denn mit nunmehr über zehn Millionen Hektoliter einheimischer Weine pro Jahr sind deutsche Winzer wieder in der Erfolgsspur. In 13 Weinregionen werden auf insgesamt etwa 100.000 Hektar hervorragende Weiß-, Rot-, Rosé- und Schaumweine produziert. Ob trocken oder lieblich, ob perlig oder still – da ist für jeden Geschmack mindestens ein Lieblingswein dabei.

Weintradition in Deutschland

Versteinerte Pflanzenreste deuten darauf hin, dass in den Regionen des Mittelrheins schon vor etwa 140 Millionen Jahren Weinreben wuchsen. Die nachvollziehbare Geschichte des deutschen Weinanbaus jedoch begann etwa 100 n. Chr. Ob nun am Niederrhein oder in den Hängen der Donau – Tatsache ist, dass es römische Weinbauern waren, die den Germanen nördlich der Alpen die „vinum cultura“ nahebrachten.

Heute sind die jungen Winzer am Zug. Ihre Methoden der Weinherstellung sind modern, auch unkonventionell, doch mit maximalen Ansprüchen an die Qualität, selbst, wenn das bedeutet, dass die Produktionsmengen dadurch geringer ausfallen.

Weinvielfalt aufgrund idealer Voraussetzungen

Unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten von Schiefer über Vulkan, Granit und Lehm, bis Löss- und Muschelkalkböden sind die ideale Basis für den Anbau von Wein. Besonders, wenn das Wachstum der Reben vor scharfen Nordwinden geschützt ist und mit überdurchschnittlich vielen Sonnenstunden verwöhnt wird, wie es in den süd- und südwestlichen Hanglagen zwischen Bodensee und Rhein der Fall ist. Individuelle Mikroklimata aufgrund extremer Steilhänge an schmalen Flussbiegungen etwa machen die Vielzahl der Lagen noch variantenreicher. Diese besonderen Merkmale sind auch für die rasant ansteigenden Exporte deutscher Weine in alle Welt ausschlaggebend.

Deutsche Weine – 13 Regionen, 140 Rebsorten

Die deutschen Weinregionen heißen Ahr, Baden, Franken, Hessische Bergstraße, Mittelrhein, Mosel, Nahe, Pfalz, Rheingau, Rheinhessen, Saale-Unstrut, Sachsen und Württemberg. Sie erstrecken sich geografisch zwischen Bodensee und Elbe und sogar bis nach Sylt. Etwa 140 Rebsorten werden deutschlandweit angebaut. Dabei rangieren jedoch die Weißweine mit 64 Prozent der Anbauflächen an erster Stelle vor den Rotweingebieten mit 25 Prozent.

Deutscher Weißwein – sie sind die Platzhirsche

25 Rebsorten bilden das Portfolio deutscher Weißweine, wovon jedoch Riesling und Müller-Thurgau, auch Rivaner genannt, an herausragender Stelle stehen. Sie sind weltweit als die Klassiker deutschen Weines bekannt und werden in den Weingebieten an Ruwer, Mosel und Saar fast ausschließlich angebaut. Darüber hinaus ist die Auswahl groß, über Silvaner, Weißburgunder und Grauburgunder, Kerner und Scheurebe, Gutedel, Bacchus, Faber- und Huxelrebe, Sauvignon Blanc, Ortega, Chardonnay, Elbling und Gewürztraminer – da ist für jeden Gaumen etwas dabei.

Deutscher Roséwein – aus Liebe zum Sommer

Lange nicht so gern gemocht, liegen Roséweine jetzt wieder im Trend als Kultgetränk für die Lust des Lebens an langen Sommerabenden. Roséweine werden aus Rotweintrauben gewonnen, die angepresst werden, aber nur wenige Stunden in der Maische liegen dürfen. Mehr als 60 Prozent der in Deutschland konsumierten Rosés stammen auch aus deutscher Herstellung, beispielsweise von Spätburgunder, Weißherbst oder Trollinger.

Deutscher Rotwein – Klassiker und Neuankömmlinge

Etwa ein Drittel der deutschen Weingebiete stehen dem Anbau von Rotweinen zur Verfügung. Allen voran die drei größten Gebiete Rheinhessen, Württemberg und Pfalz – vor allem wegen des dort vorherrschenden, ausgeglichenen Klimas. Doch auch die Ahr gilt unter Kennern als wahres „Rotweinparadies“, in dem vornehmlich Rotwein angebaut wird. Bemerkenswert ist der Trend zu den klassischen Rebsorten der Burgundertrauben – mit dem Spätburgunder an der Spitze – sowie die Rückkehr von Schwarzriesling, Lemberger, Portugieser und Saint Laurent. Erfreulicherweise spielen neuerdings auch Regent, Merlot, Acolon, Domina, Cabernet Sauvignon und Dornfelder wieder eine Rolle in diesen Weinwelten.

Deutscher Schaumwein auf dem Siegeszug

Vor wenigen Jahren noch galt es als unmöglich, deutschen Schaumwein mit Champagner vergleichen zu wollen. Heute aber ist die Qualität der deutschen Schaumweine ebenbürtig mit dem edlen Franzosen und sie übertreffen in ihrer Vielfalt die Champagner-Angebote sogar. Denn während Champagner ausschließlich aus Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier bestehen, gibt es darüber hinaus bei deutschen Schaumweinen beispielsweise auch Rieslingssekte, die in ihrer edlen Frische einzigartig sind. International ausgezeichnet dürfen sie sich nur nicht Champagner nennen, weil ihre Trauben eben nicht aus der französischen Champagne stammen.

Bekannte Weinregionen in Deutschland

Mosel – Heimat der Spitzen-Rieslinge

Die älteste Weinregion Deutschlands ist mit den steilsten Weinbergen Europas auch landschaftlich eine Besonderheit. So wachsen entlang dem etwa 250 Kilometer langen Lauf der Mosel sowie an den unteren Läufen ihrer Nebenflüsse Saar und Ruwer die besten Spitzen-Rieslinge der Welt heran. Doch neben den Rieslingen ist die Weinregion Mosel auch bekannt für Weiß-, Spät- und Grauburgunder, für Silvaner, Müller-Thurgau, Dornfelder und Sauvignon-Blanc. Zwischen Koblenz und Luxemburg, geschützt im Mikroklima der Flusstäler und mit den Wurzeln der Reben in urzeitlichem Schiefergestein entstehen alljährlich etwa 750.000 Hektoliter der unvergleichlich mineralischen Moselweine. Davon werden immerhin zwei Drittel in Deutschland konsumiert!

Nahe – zwischen sanften Hügeln und auf Steillagen

Das Anbaugebiet der Weinregion Nahe erstreckt sich entlang der Nahe von Martinstein bis zu ihrer Mündung in den Rhein bei Bingen – die Ufer der Nebenflüsse Alsenz, Ellerbach, Glan, Guldenbach und Gräfenbach eingeschlossen. Das generell milde Klima fördert das Wachstum anspruchsvoller Rotweinzüchtungen wie Dornfelder, Spätburgunder, Regent und Portugieser, während an der oberen Nahe die kühleren Luftmassen der Mittelgebirge besonders ausdrucksstarke Rieslinge, Silvaner, Müller-Thurgau Weiß- und Grauburgunder heranziehen.

Pfalz – als sei man im Paradies

Im Süden von Rheinland-Pfalz und nicht weit vom Elsass entfernt bestimmt der Weinbau das Landschaftsbild. Auf einem 85 Kilometer langen Höhenzug gelegen stellt die Pfalz seit 2008 das größte Rotweingebiet Deutschlands dar und firmiert gleichzeitig als der größte Riesling-Produzent weltweit. Jede dritte in Deutschland gekaufte Flasche Wein wird hier abgefüllt. Riesling, Dornfelder, Spätburgunder und Gewürztraminer sind die herausragenden Sorten, doch auch Müller-Thurgau, Kerner, Chardonnay oder Ruländer/Grauburgunder gehören dazu.

Franken – hervorragende Weine aus vielen kleinen Winzerbetrieben

Das Weinanbaugebiet Franken erstreckt sich auf etwa 6.300 Hektar Fläche. Im milden und ausgewogenen Klima gedeihen großartige Lagen von Früh- und Spätburgunder, von Müller-Thurgau, Bacchus, Riesling, Kerner oder Dornfelder. Um die seit vielen Generationen in Franken ansässige Tradition des Weinmachens aus wirtschaftlichen Gründen nicht aufgeben zu müssen, haben sich fast 3.000 „Kleinstwinzer“ zu Genossenschaften zusammengeschlossen. In den oft steilen Weinbergen wachsen auch jene Silvaner heran, die aufgrund ihres erdig-würzigen Geschmacks zu den besten der Welt zählen.

Rheingau – Rieslinge und Spätburgunder von Weltklasse

Im Schutz des Taunus und des Rheingaugebirges gedeihen auf den sonnigen, steilen Hängen des Rheingaus vornehmlich Rieslinge. Mit der Ausnahme von Assmannshausen, wo auf 75 Hektar ausschließlich Spätburgunder angebaut wird und so die größte derartige Anbaufläche entstanden ist. Darüber hinaus ist das Rheingau bekannt für seine Auslesen, Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen. Im 18. Jahrhundert als das fatale Ergebnis eines zu frühen Frosteinbruchs entstanden, wird die so genannte „Edelfäule“ heute künstlich herbeigeführt – mit dem Ergebnis weltweit anerkannter Prädikatsweine.

Ahr – das deutsche Rotweinparadies

Das Weingebiet der Ahr ist berühmt für seine hervorragende Weinqualität, insbesondere was die Rotweine angeht (nur 12,5 Prozent der 548 Hektar großen Rebfläche wird für Weißwein bebaut), explizit den Spätburgunder. Und das, obwohl der Weinbau in den engen Felshängen oberhalb der schmalen Flussbiegungen zwischen Eifel und Rhein keine leichte Sache ist.  Seit 2014 verzichtet der gesamte Weinbau im Ahrtal flächendeckend auf den Einsatz von Insektiziden. „Um im Einklang mit der Natur die besten Weinqualitäten zu erzielen“, wie Alexander Stodden zusammenfasst – als Zukunftsvision von Nachhaltigkeit. Was dem Geschmack ihrer Weine zu Gute kommt, wie die vielfachen Auszeichnungen beweisen.

Bekannte Winzer und Weingüter in Deutschland

Markus Schneider

Vor 25 Jahren bot sich dem Vater von Markus Schneider der Erwerb eines alten Weingutes in der direkten Nachbarschaft an. So entstand das „Weingut Markus Schneider“ und ist heute Inbegriff für regelmäßig hoch prämierte Spitzenweine der Weißwein-Sorten Riesling, Viognier, Chardonnay, Sauvignon Blanc und Grauburgunder, sowie Merlot, Spätburgunder, St. Laurent, Cabernet Sauvignon, Portugieser und Cabernet Franc als Rotweine.

Weingut Rainer Sauer

So leidenschaftlich wie Rainer Sauer und Sohn Daniel sich dem Silvaner, dieser „urfränkischsten aller Rebsorten“ widmen, so herausragend gut sind die Silvaner des Weingutes Rainer Sauer. Gefolgt von einem nicht minder spektakulären Weißburgunder. Die Trauben wachsen im Steilhang des Eschendorfer Lump und werden mit der puren Innovationslust von Daniel Sauer zu aufsehenerregenden Prädikatsweinen verarbeitet. Jedes Jahr auf´s Neue mit immer neuen Facetten.

Weingut Spreitzer

Die lange Tradition des Weingutes Spreitzer bei Oestrich-Winkel im Rheingau ist für die jungen, heutigen Gutsbesitzer Andreas und Bernd Spreitzer einerseits Verpflichtung und gleichzeitig Ansporn. Auf den 18 Hektar der Lagen Winkeler Jesuitengarten und Ostricher Lenchen, sowie Doosberg und Hattenheimer Wisselbrunnen wachsen zu 97 Prozent Rieslinge heran, während die restlichen drei Prozent mit Spätburgunder bestockt sind.

Jean Stodden

Eine andere Traube als Burgunder kommt Alexander Stodden nicht in seine Weinberge am Recher Herrenberg. Seit Ende des 16. Jahrhunderts ist die Familie Stodden in Rech am oberen Ahrtal im Weinbau tätig. Heute ist Alexander Stodden der maßgebliche Weinmacher im Weingut Jean Stodden, mit derselben Passion für Spätburgunder und in bester Vollendung. Hier, wie in der ganzen Region, verzichtet man auf jegliche Insektizide.

Weingut Manz

Ein breites Portfolio erstklassiger Rheinhessen-Weine sind die Markenzeichen des Weingutes Manz in Weinolsheim. Ihre Namen Weinolsheim Kehr und Dalheimer Kranzberg sowie Oppenheimer Herrenberg und Oppenheimer Sackträger kennt man als hervorragende Weinlagen, denn die Rieslinge, Kerner und Blanc de Noirs, die Spät- und Grauburgunder vom Weingut Manz sind national und international anerkannte und hoch prämierte Spitzenklassen.

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